Als erstes. Ich möchte keine politische Diskussion anstoßen. Es geht mir einfach nur darum, was mir im Buch aufgefallen ist und ob es euch ähnlich ging. Also bitte, am besten nur Antworten, von Leuten, die das Buch auch gelesen oder gehört haben.
Ich höre mir gerade World War Z an und es gefällt mir richtig gut. Ich bin so bei 2/3 würde ich sagen. Was aber etwas aufstößt und ich auch schon anderswo gelesen hatte, ist die stereotypische Darstellung vieler Nationen und Völker. Speziell ist es mir bei der Darstellung von Ostdeutschland aufgefallen. Es gab bisher zwei Stellen.
Einmal, wo der Hamburger Soldat über den ostdeutschen General redet und dann noch mal Ostdeutschland und die DDR-Vergangenheit thematisiert. Die Ostdeutschen hätten sich aufgrund des antifaschistischen Selbstbildes der DDR nicht mit eigener Verantwortung für den Nationalsozialismus auseinandergesetzt, deswegen auch so viele Skinheads und Nazis im Osten. Er dagegen sei Westdeutscher, „sie verstehen den Unterschied?“. Wir haben hier also einmal die politische und historische Überlegenheit des Westens aufgezeigt bekommen. Ganz unrecht hat er hier ja nicht, es gab ja die Entlastungsfunktion dieses Geschichtsbildes in der DDR, dass man halt die im Widerstand waren. Aber es gab auf der anderen Seite ja auch Erinnerungskultur und Auseinandersetzungen mit individueller Verantwortung. Und dann die Idealisierung Westdeutschlands auf der anderen Seite, auch da war es ja differenzierter. Gerade nach der Wende sind ja westdeutsche rechtsextreme Organisationen und führende Neonazis sehr gezielt nach Ostdeutschland gegangen, um dort Strukturen aufzubauen, Mitglieder zu rekrutieren und vorhandene Szenen zu organisieren. Sie sind auch auf ein schon vorhandenes Milieu getroffen, so ist es ja nicht. Aber diese Milieus gab es ja auch in Westdeutschland. Nichtsdestotrotz ist es so, dass rechtsextreme, fremdenfeindliche und autoritäre Einstellungen im Osten Deutschlands verbreiteter sind als in Westdeutschland (laut Statistik). Trotzdem ist Westdeutschland nicht frei davon. Sprich, man hätte es ambivalenter darstellen können.
Später dann noch die Stelle, wo der Kubaner sagt, dass die westlichen Besucher nette, höfliche Leute gewesen wären, ganz anders als DDR-Touristen, die Süßigkeiten in die Luft geworfen haben und lachten, wenn sich die kubanischen Kinder wie Ratten darauf stürzten. Hier haben wir die soziale und moralische Überlegenheit des Westens. Auch hier, passt das schon historisch erstmal, da es zehntausende DDR-Bürger gab, die nach Kuba als „exotischen Ort“ reisten, viele mit Kreuzfahrten und auch die besser gestellten. Da Kuba teilweise wohl noch leerere Geschäft hatte als die DDR manchmal, könnte man eventuell auch von einer materiellen Überlegenheit sprechen. Aber im internationalen Vergleich ist das ja lächerlich, DDR-Geld war ja nirgendwo etwas wert und der Stellenwert der DDR-Bürger deswegen meist auch nicht besonders hoch, zumindest das, was ich aus Erzählungen kenne von Reisen nach Tschechien, Polen, Bulgarien etc.
An und für sich ist das Buch ja durchaus kritisch gegenüber Kapitalismus, Medien und USA als westliches Land. Andererseits werden das liberal-demokratisches Verständnis als überlegen dargestellt, da bspw. Kuba ja als Gewinner im World War Z hervorgeht, indem dort Demokratie Einzug gehalten hat, ähnlich ja auch wie bei China. Auch das ist als Ansicht in einem fiktionalen Buch OK. Was mir aber aufgestoßen hat, ist, dass eigentlich fast alle Länder, kapitalistische und sozialistische, als ambivalent, also positiv und negativ dargestellt werden, nur halt die Region Ostdeutschland nicht, was nur negativ konnotiert wird.
Auf der anderen Seite, bekommt der Osten Deutschlands wenig Raum, also vielleicht ist das auch Überinterpretation meinerseits, aber es sind halt bisher die einzigen beiden Stellen, und die sind mir halt stark aufgefallen.